Technik-Guide: Die Hypercar-Klasse in Le Mans Ultimate – Alles, was du über LMH & LMDh wissen musst
Die Hypercar-Kategorie hat den Langstreckensport revolutioniert und bildet das Herzstück von Le Mans Ultimate (LMU). Doch wer in der Simulation wirklich schnell sein will, muss verstehen, was unter der Haube dieser Prototypen passiert. Hypercar ist nämlich nicht gleich Hypercar: Die Klasse teilt sich in zwei völlig unterschiedliche technische Philosophien auf: LMH und LMDh.
In diesem Guide erklären wir dir die Unterschiede, die komplexen Hybrid-Systeme und das Reifenmanagement, das in LMU über Sieg oder Niederlage entscheidet.
1. Die technologische Kluft: LMH vs. LMDh
Obwohl beide Fahrzeugtypen in derselben Klasse antreten und durch die Balance of Performance (BoP) auf ein identisches Leistungsniveau gebracht werden, sind die Konzepte dahinter grundverschieden.
LMH (Le Mans Hypercar) – Die totale Freiheit
Hersteller wie Ferrari, Toyota und Peugeot haben sich für das LMH-Reglement entschieden.
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Chassis-Eigenbau: Der Hersteller entwickelt das gesamte Fahrzeug – vom Monocoque bis zur Aerodynamik – komplett selbst.
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Hybrid an der Vorderachse (AWD): Die meisten LMH-Boliden nutzen einen Elektromotor (MGU-K) an der Vorderachse.
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Fahrverhalten: Ab einer bestimmten Geschwindigkeit (der Activation Speed, meist zwischen 150 und 190 km/h) schaltet sich der Hybrid zu. Das Auto wird kurzzeitig zum Allradler. Das sorgt für enorme Stabilität und Traktion in schnellen Kurven, erfordert aber ein Umdenken beim Herausbeschleunigen.
LMDh (Le Mans Daytona h) – Die effiziente Partnerschaft
Hersteller wie Porsche, BMW, Cadillac und Alpine nutzen das LMDh-Reglement.
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Basis-Chassis: Die Hersteller müssen eines von vier lizenzierten Chassis wählen (Dallara, Oreca, Multimatic oder Ligier) und passen darauf ihr eigenes Design und ihren Motor an.
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Einheitshybrid am Heck (RWD): Das Hybridsystem ist für alle LMDh-Teams identisch (Bosch/Williams) und wirkt ausschließlich auf die Hinterachse.
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Fahrverhalten: Ein LMDh bleibt immer ein reiner Hecktriebler. Die zusätzliche Elektro-Power muss feinfühlig mit dem Gaspedal dosiert werden, da kein Allrad-Effekt beim Stabilisieren hilft.
| Merkmal | LMH (Hypercar) | LMDh (Daytona h) |
| Chassis | Komplette Eigenentwicklung | Basis-Chassis (z.B. Oreca, Dallara) |
| Hybrid-System | Eigenentwicklung (optional) | Einheitsbauteile (Bosch/Williams) |
| Antriebsachse Hybrid | Meist Vorderachse (AWD Effekt) | Ausschließlich Hinterachse (RWD) |
| Getriebe | Eigenentwicklung | Einheitsgetriebe (Xtrac) |
2. Das Energie-Management: Der "Virtual Tank" (NRG)
In Le Mans Ultimate ist die Tankanzeige zweitrangig. Was zählt, ist die Virtual Energy (NRG). Die FIA limitiert die Energiemenge, die ein Auto pro Stint verbrauchen darf – eine Kombination aus verbranntem Kraftstoff und genutztem Strom.
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Megajoule statt Liter: Dein Dashboard zeigt dir die verbleibende Energie in MJ an. Ist dieser Wert bei Null, rollt das Auto aus, selbst wenn technisch noch Benzin im Tank wäre.
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Rekuperation: Beim Bremsen gewinnst du Energie zurück, die in die Batterie fließt. In der Simulation musst du lernen, diese Energie strategisch klug einzusetzen (über Deployment Maps).
3. Schlüssel-Systeme im Cockpit
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Brake Migration: Da die Autos beim Bremsen über den Elektromotor Energie zurückgewinnen, verschiebt sich die Bremsbalance dynamisch. Die "Brake Migration" hilft dir, die Stabilität des Hecks während der gesamten Bremsphase zu kontrollieren.
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Activation Speed: Bei LMH-Modellen zündet der Hybrid erst ab einer bestimmten Geschwindigkeit. Wer zu früh voll aufs Gas geht, bevor der Allrad-Effekt greift, riskiert instabile Fahrzustände.
4. Das "Schwarze Gold": Reifenmanagement
Ein kritisches Feature in LMU ist das Verbot von Reifenwärmern. Wenn du aus der Box fährst, sind deine Reifen kalt (Umgebungstemperatur).
Die Mischungen von Michelin
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Soft (Weich): Maximaler Grip, schneller Temperaturaufbau, aber anfällig für Überhitzung und hohen Verschleiß.
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Medium (Mittel): Der Standard für die meisten Rennen. Ermöglicht oft "Double Stints" (zwei Tankfüllungen mit einem Satz Reifen).
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Hard (Hart): Ideal für extreme Hitze oder sehr rauen Asphalt. Braucht sehr lange, um auf Temperatur zu kommen.
5. Checkliste: Überleben auf kalten Reifen (Die Outlap)
Damit du deinen Hypercar-Boliden nicht schon in der ersten Kurve nach dem Boxenstopp verlierst, hier die goldene Checkliste für die "Outlap":
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[ ] Bremsen priorisieren: Wärme die Reifen über die Bremsen auf! Die Hitze der Bremsscheiben überträgt sich auf die Felgen und damit auf die Luft im Reifen.
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[ ] Progressives Gasgeben: Vermeide abruptes Vollgas. Ohne Reifentemperatur hast du keine Traktion, und die Traktionskontrolle (TC) wird dich massiv einbremsen oder das Heck bricht aus.
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[ ] Curbs meiden: Solange die Reifen kalt sind, ist die Flanke instabil. Das Überfahren hoher Curbs kann zu plötzlichem Gripverlust oder sogar Reifenschäden führen.
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[ ] Drücke überwachen: Schalte auf dein Telemetrie-Display. Erst wenn der Reifendruck den Zielbereich erreicht hat, ist der Reifen mechanisch stabil genug für volle Attacke.
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[ ] Lenkbewegungen: Vermeide exzessives "Sägen" am Lenkrad. Sanfte, aber bestimmte Lenkimpulse bauen Temperatur gleichmäßiger auf, ohne die Oberfläche zu ruinieren (Graining).
Fazit
Die Hypercars in Le Mans Ultimate sind eine faszinierende Mischung aus roher Gewalt und hochmoderner Technik. Egal ob du den Allrad-Vorteil eines Ferrari LMH oder das klassische Handling eines Porsche LMDh bevorzugst: Erfolg hat nur, wer seine Energie und seine Reifen klug verwaltet.
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